IRO Workshop
29.11. – 01.12.2011 in Dortmund
Vom 29. November bis 1. Dezember 2011 fand der diesjährige IRO-Workshop in Dortmund statt.
Zum übergreifenden Thema „Qualitätssicherung bei Gashochdruckleitungen“ diskutierten Fachleute aus Gasversorgungsunternehmen, die mit einem Betriebsdruck über 16 bar arbeiten. Die Teilnehmer entscheiden sich für die Mitarbeit in einem der 5 Arbeitskreise, die sich mit den Themen Betrieb und Instandhaltung, Festigkeit und Standsicherheit, Korrosionsschutz sowie Organisation und Information befassen.
Der Arbeitskreis „Korrosionsschutz bearbeitete zunächst das Thema „Wirksamkeit des KKS innerhalb von Mantelrohren“. Die Bewertung ob ein Mantelrohr kritisch ist oder nicht kann mit dem Widerstandsvergleichsverfahren, dem Polarisationsvergleichsverfahren und ergänzend mittels Molchung stattfinden. Das Polarisationsvergleichsverfahren ist derzeit nicht Stand der Technik. Folgende Veröffentlichungen zu diesem Thema erschienen in der 3R-international:
- Lemkemeyer 3R 2012, Nr 105, S. 737-741
- Bette, Kauker 3R 2009, Nr. 6, S. 318-322
- Dr. Schöneich 3R, Nr. 11, S. 657-664
Im Verlaufe einer weiteren Sitzung wurde über das Einsatzverhalten von Kunststoffwerkstoffen für Rohrleitungen mit kohlenwasserstoffhaltigen Flüssigkeiten diskutiert. Rohre aus Polyethylen werden zum Transport von Flüssigkeiten eingesetzt, deren Korrosivität für Stahl nicht geeignet ist. Die PE-Rohre erscheinen auf den ersten Blick als dicht. Erfahrungen zeigen jedoch, dass durch das Diffusionsverhalten Kohlenwasserstoffe durch die Rohrwandung nach außen dringen. Bei einer 1 km langen PE-Leitung mit einem Durchmesser von 110 mm können das immerhin 1 cbm Gas pro Jahr sein. Aufgrund der Erfahrungen werden PE-Rohre für solche Aufgaben nicht mehr eingesetzt, allenfalls als Inliner von Stahlleitungen.
Ein weiterer Beitrag beschäftigte sich mit der „Qualitätssicherung bei der Durchführung von HDD-Bohrungen“. Die Forderungen zur landschaftsschonenden grabenlosen Verlegung von Rohrleitungen nehmen einen immer größeren Umfang an und schließen alle Rohrdimensionen ein, d.h Rohrnennweiten von DN 100 bis DN 1400 werden mit dem HDD-Verfahren verlegt.
Neben der technischen Herausforderung an die Rohrbauunternehmen steht die Aufgabe der schnellen Aussage zur Beurteilung der Umhüllungsqualität des eingezogenen Rohrstranges an den Messtechniker des KKS-Fachbetriebes. Von dieser Aussage hängt im entscheidenden Maße der weitere Fortgang des Rohrbaues ab. In Abhängigkeit von der realisierten Qualität des HDD, können sehr hohe Kosten entstehen oder sogar der Weiterbau an dieser Örtlichkeit gefährdet sein.
Um eine zeitnahe Aussage zur Qualität der Umhüllung geben zu können wurde von der EWE und mehreren Partnern ein Messverfahren entwickelt und erprobt, dass die permanente Überwachung der Umhüllung während des Einzuges des Rohrstranges ermöglicht. Hauptbestandteile dieses Messverfahrens sind der Isolationsziehkopf und ein spezieller Messaufbau. Die bisherigen Erfahrungen mit diesem Equipment zeigten neben anfänglichen Schwierigkeiten gute Messergebnisse, die die kontinuierliche Überwachung der Umhüllungsqualität schon während des Rohreinzuges gestatteten. So konnte ein Rohrstrang, bei dem eine Beschädigung der Umhüllung erkannt wurde zurückgezogen und geborgen werden. Durch die Information an welcher Stelle im Bohrloch die Beschädigung eintrat, konnten gezielte Maßnahmen zur Ursachenbeseitigung eingeleitet werden.
(Nähere Informationen: H. Engelke, EWE)
Ein weiteres, sehr interessantes Thema für Rohrleitungsbetreiber aber auch für KKS- Dienstleister mit großer Aktualität wurde erörtert und intensiv diskutiert:
Seit Veröffentlichung der überarbeiteten Version des DVGW- Arbeitsblatt GW10 vom Mai 2008 sind die theoretischen Grundlagen für die Überwachung kathodisch geschützter Lagerbehälter und Rohrleitungen nach der Referenzwertmethode bekannt. Allerdings liegen zum jetzigen Zeitpunkt im praktischen Umgang damit nur wenige Erfahrungen vor. Hier besteht Handlungsbedarf um die Vorteile der Referenzwertmethode zeitnah und flächendeckend in der Praxis umzusetzen.
Es wurden hierzu interessante Lösungsansätze für die Festlegung der Referenzwerte und Referenzmessstellen an Rohrleitungen mit unterschiedlichen Umhüllungsqualitäten vorgestellt.
(Nähere Informationen: Hr. Schmetan, Open Grid Europe)
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